Jüdische Kultusgemeinde Erlangen
 

 

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Schreibfehler in der Torah?

 

Ein Kommentar auf den Artikel "Die Torah“

 

In dem ursprünglichen Text steht:

 

„Jeder einzelne Buchstabe wird sorgfältig geprüft, damit kein einziges Jota[5] י verloren geht, denn jeder Buchstabe hat seine spezifische Bedeutung.“

 

 „Sogar ursprüngliche, sogn. grammatikalische Schreibfehler[6] werden übernommen. Deswegen kann man davon ausgehen, dass jede neu geschriebene Torah authentisch ist mit der vor über tausend Jahren.“

 

5 der Jod ist der kleinste Buchstabe im hebräischen Alef-beth (Alphabet)

 

6 In der Sefer-Torah steht in Gen. 2:1  behibaram. Dies ist kein Schreibfehler, sondern hat eine besondere Bedeutung. In der Biblia Hebraica Stuttgartensia wird der Buchstabe Heh normal gedruckt, während in einem jüdisch hebräischen Druck der Buchstabe  Heh immer klein geschrieben wird.

 

Nähere Erklärung:

 

Es ist nicht zu leugnen, dass es sprachlich gesehen in der hebräischen Bibel (sogen. A.T.) Schreibfehler gibt. In der Biblia Hebraica Stuttgartensia werden sie in der Randlinie angegeben. Das besondere an dem originalen Text ist, dass er durch alle Zeiten unverändert geblieben ist. Dies bezieht sich nicht nur auf die Syntax (Satzbau, Art und Weise, sprachliche Elemente zu Sätzen zu ordnen), sondern auf jeden einzelnen Buchstaben. 

Für einen Linguisten (Sprachwissenschaftler) sind es von der sprachlichen Norm abweichende Fehler, die bei dem nächsten Druck korrigiert werden sollen. Dies ist die Praxis bei der christlichen Bibelausgabe. Dadurch ist die tiefere Deutung meistens verloren gegangen.

Unsere Torahrolle wird, seit über tausend Jahren, minutiös, Buchstabe für Buchstabe, abgeschrieben, damit nicht der kleinste Buchstabe, das ' Jod, verloren geht. Denn nach jüdischer Auffassung gibt es keinen Zufall.

Jeder Buchstabe hat seine spezifische Bedeutung.

Der jüdische Bibel-Exeget (Bibelausleger) hat in so weit Recht, dass es nach jüdischer Sicht keine Schreibfehler in der Torah gibt. Er wird deshalb immer von dem ursprünglichen hebräischen Text ausgehen. Dass dies sehr wichtig ist, bemerken wir schon im 1. Buch Mose Kap. 1:1, dort steht:  (Bereshit bara). Weshalb steht in dem jüdischen Text der Beth groß geschrieben? In der hebräischen Sprache gibt es normalerweise keine Groß- und Kleinbuchstaben. Auch die übrigen 4 Bücher Mose fangen nicht mit einem Großbuchstaben an. Deshalb muss diesem groß geschriebenen Buchstaben (Beth), Zahlwert 2, eine besondere Bedeutung zukommen. Hiermit wird die Zweiteilung angekündigt:

 Himmel – Erde,  Licht - Dunkel, etc..

Der erste Teil der Schöpfungsgeschichte wird abgeschlossen mit: „Dies ist die Entstehung des Himmels und der Erde, da diese geschaffen wurden, am Tage, da der Ewige G.tt, fertigte Himmel und Erde“.

Ohne hebräischen Grundtext werden wir diesen groben Übersetzungsfehler[1] gar nicht bemerken. In dem Grundtext steht nicht Himmel und Erde, sondern Erde und Himmel. Ist das so wichtig? Ja, denn hier wird die Beschreibung der Entstehung von Himmel und Erde und die Fertigung von Erde und Himmel erläutert. Damit kommt zum Ausdruck: Oben wirkend unten und Unten bewirkt nach oben. י

 

Für weitere Erklärung über die Bedeutung von: "So wie im Himmel so auf der Erde" kann man in dem gleichnamigen Buch von Rabbi Ezriel Tauber und im Buch "Den Himmel auf die Erde bringen", die Weisheit des Rabbi Schneerson, herausgegeben von Tzvi Freenan, lesen.

Noch eine Eigenartigkeit steht in dem Text von 1.B.M. Kap. 2:4 (behibaram), da diese geschaffen wurde. Hat der Schreiber einen Buchstaben vergessen und schnell dazwischengefügt, oder steckt dahinter ein Sinn? Dadurch, dass dieses kleine  Heh, Zahlenwert 5, in seiner Kleinheit so bedeutungsgeladen ist, steckt ein tieferer Sinn dahinter. Wir können es deshalb auch so übersetzen: be h baram   mit dem  Heh wurde erschaffen, die weitere Entwicklung der Schöpfung bewirkt. Seine symbolische Bedeutung ist: die Erfüllung, die ersehnte Frucht, die Einswerdung von Mann und Frau, das neugeborene Kind. Später im Kapitel 15 finden wir die symbolische Bedeutung des Heh wiederum. „Und es sprach Abram : Herr, Ewiger, was möchtest Du mir geben, da ich hingehe kinderlos. In Kapitel 17:4 steht: „Wisse wohl: mein Bund mit dir geht dahin, dass du der Stammvater einer Menge von Völkern werden sollst. 5. Darum sollst du hinfort nicht mehr Avram  (av ram d.h. der Erhabene) heißen, sondern dein Name soll jetzt Avraham   (d.h. Vater einer Menge) lauten. Denn zum Vater  av der Fülle der Völker, ist die Deutung einer Abkürzung von  (hamon gojim = ham) Fülle der Völker (Shabb. 105a); das Resch, das vorher darin war, solange er nur der Vater von Aram, seiner Heimat war, während er jetzt der Vater der ganzen Welt geworden war, wich nicht von seiner Stelle (Berach. 13a).

 

Sowie das Heh in Kap. 2:4. die Fruchtbarkeit in der ganzen Schöpfung ankündigt, so kündigt das  Heh in Kap. 17:4. die spezifische Fruchtbarkeit von Avraham: 6. „und Ich mache dich fruchtbar über die Maßen …“ an. Ähnlich verhält es sich bei der Namensänderung von Abrahams Frau: aus   Sarai d.h. meine Fürstin, wird  Sarah, Fürstin ohne Einschränkung sei ihr Name, sie sei Fürstin über alle (Berach. 13a, Ber. Rab. 47).

 

Die Fruchtbarkeitssymbolik des Buchstabens Heh wird hier besonders augenfällig, schließlich war sie jenseits ihrer Fruchtbarkeitsphase und wurde trotzdem schwanger, dadurch die Fürstin aller.

 

Diese Beispiele sollen kurz verdeutlichen, welche Wichtigkeit in jedem einzelnen Buchstaben verborgen ist und bestätigt, dass kein Buchstabe beim Abschreiben der Torah verloren gehen darf.

 

So gesehen gibt es für einen Torahgelehrten keinen Schreibfehler.

 

© Arjeh Lieo Gur


 

[1] Die vierundzwanzig Bücher der HEILIGEN SCHRIFT Übersetz von Leopold Zunz 1997

 

 

 

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