Jüdische Kultusgemeinde Erlangen
 

 

home

 

SCHEMINI AZERETH

 

 

Schemeni Azereth ist ein Fest für sich, an das Sukkotfest angeschlossen, aber unabhängig von ihm. Darum wird auch der Segenspruch "Schehechejanu" gesagt.

 

"Gelobt seist Du, Ewiger, unser G.tt, König der Welt, der uns Leben und Bestand gegeben und uns diese Zeit hat erreichen lassen."

 

Der Ursprung des Namens „Schemini Azereth“ befindet sich in der Torah 4. B.M. 29:35.

„Am achten Tag sollt ihr ein Schlussfest halten; zurückgehalten in der Verrichtung einer Arbeit.“

 

Rashi erklärt bezüglich des Ausdruckes "zurückhalten" oder "verharren" (bei oftmaligen Übersetzungen), dass damit Liebe bezeichnet wird, wie das Abschiednehmen eines Sohnes vom Vater, dieser seinen Sohn bittet, noch einen weiteren Tag zu verweilen. So will auch die Torah damit Israel einen Hinweis geben. Während den vorausgegangenen Festtagen haben sie vor dem Ewigen die Bitte ausgesprochen, den 70 Nationen der Erde ein gutes Leben und Freude den Völkern zuteil werden zulassen, für sich selbst hatten sie nichts verlangt. Darum wurde dieser Tag des "Verharrens" noch hinzugefügt, und dies ist der achte Tag. Das Volk Israel hat die Möglichkeit für sich selbst um Liebe und gnadevolles Umgehen für sich selbst zu bitten und bei Ihm zu verweilen. Die Vorschriften für diesen Tag sind die gleichen wie für die anderen Feiertage.

Auch in einem anderen Zusammenhang ist dieses selbständige Fest von großer Bedeutung. An diesem Tag findet die endgültige Besiegelung des Schicksals des Volkes Israel im Hinblick auf das kommende Jahr statt.  Das Urteil G.ttes bezüglich des jüdischen Lebens erfährt keine Veränderung mehr, menschliches Eingreifen hat keinen Sinn mehr. Dieser Umstand ist mit dem Erflehen Mosches zu vergleichen, der G.tt vergebens darum bat, ihn auch in das gelobte Land zu führen (5.B.M.3:26).

Von weiterer Wichtigkeit ist das Gebet für Regen an "Schemini Azereth". Hinsichtlich der klimatischen  Bedingungen in Israel ist Regen ein Segen, monatelang hat man diesen vermisst, das Land ist ausgetrocknet. Obwohl schon während des Sukkotfestes leise Andeutungen für das Erbitten von Regen gemacht werden (man denke dabei an die Bachweidenzweige im Lulav), wäre es für das Laubhüttenfest ein Fluch, wenn Regen einsetzen würde; die Mitzwa, in der Sukka zu leben, eine Unmöglichkeit. Selbstverständlich ist die segensreiche Kraft des Regens weltweit von enormer Bedeutung, ohne Regen ist keinerlei Leben möglich.

 

SIMCHAT TORAH

 

 

 

Simchat Torah und Schemini Azereth fallen auf den gleichen Tag, in der Diaspora, also außerhalb Israel, werden sie an zwei Tagen als Feste gefeiert. Am ersten Tag wird beim Gebet das Hauptgewicht auf die Festtagsfreude und das Gebet für Regen gelegt. Der zweite Tag wird hauptsächlich der Freude an der Torah gewidmet. Schemini Azereth steht im engen Zusammenhang mit Sukkot, genauso wie Azereth (Abschluß) – das Schawuotfest – mit Pessach verbunden ist (siehe Artikel Pessach und Schawuot).

Am Sukkotfest erreichte das jüdische Volk Freiheit der Seele, Befreiung von "jetzer haRa" – dem bösen Trieb, den es war von seinen Sünden befreit und geläutert durch Kom Kippur. So wandte es sich G.tt zu, trat freudig und voller Liebe in die Hütten und die Fittiche Seiner Treue. Da nun die Liebe zu G.tt und die Freude mit Ihm neu erwacht war, widmete es sich wieder der Torah, erneuerte diesen Bund mit der Torah in Liebe und Freude. Dieser Bund, den es umschließt, ist weder von Donner und Blitz, noch von Zittern und Beben begleitet. Er wird in Freude mit Gesang und Tanz gefeiert. Darum ist es Brauch, das man an Schemini Azereth der Freude mit der Torah Ausdruck verleiht, an dem Fest, das sich dem Sukkotfest anschliesst. Azereth – das Schawuotfest – ist wie Schemini Azereth. So wie an Schawuot der Bund mit der Torah festlich gefeiert wird, so ist auch Schemini Azereth eine Feier des Bundes mit der Torah. Beim ersten Azereth handelt es sich um körperliche Freiheit, eine Freiheit, die durch Furcht und Ehrfurcht zustande kam. Das zweite Azereth bringt Freiheit der Seele und wird mit Freude und Liebe gefeiert. G.ttesfurcht ist nie vollkommen, wenn sie nicht auch mit Liebe verbunden ist, aber auch Liebe ist erst vollkommen in Verbindung mit Furcht. Das eine ergänzt das andere.

 

An Simchat Torah erfolgt der Abschluss der Torahlesung. Die Anordnung, jeden Schabbat aus der Torah vorzulesen, stammt von Mosche. Nach Mosche waren es die Weisen in jeder Generation, die festlegten, welcher Abschnitt jeweils am Schabbat vorgelesen werden sollte. Dadurch verbreitete sich der Brauch, die ganze Torah während eines Jahres öffentlich vorzutragen. Die Abschnitte der Torah werden in 54 Sedarim (Ordnungen) eingeteilt, nach der Anzahl der Schabbate, die es in einem Schaltjahr gibt. So wird jeden Schabbat eine Sidra (Parascha) vorgelesen. Es kommt aber vor, dass an einem Schabbat zwei Abschnitte gelesen werden, z.B. wenn es in einem gewöhnlichen Jahr 50 oder 51 Schabbate gibt. Auch kann es vorkommen, dass in einem Schaltjahr zwei Abschnitte gelesen werden und zwar dann, wenn ein Schabbat auf einen Feiertag fällt. In einem solchen Fall wird ein Abschnitt gelesen, der das jeweilige Thema des Festes behandelt.

Die Sidra Bereschit (1. B.M. „Im Anfang … „) wird am ersten Schabbat nach Schemini Azereth bzw. Simchat Torah gelesen. Man beendet die Vorlesung der Torah in Israel am Schemini Azereth und in der Diaspora am zweiten Feiertag, also an Simchat Torah.

Zu Ehren des Abschlusses wird ein feierliches Essen veranstaltet, man ist fröhlich, tanzt und singt, alles zu Ehren der Torah. Diese Freude mit der Torah ist eine immerwährende, sie kann nie gänzlich gelöscht oder verringert werden. Sie geht zu Herzen, tangiert dieses zutiefst. Deshalb ist es bestimmt kein Zufall, dass der letzte Torahabschnitt mit dem Buchstaben "Lamed" endet, der erste Torahabschnitt mit "Veth", der an diesem Tag auch gelesen wird, beginnt. "Lev" heißt Herz; die Torah ist im Menschen zeitunabhängig, unauslöschbar eingebunden, er lebt durch und mit ihr. So gesehen ist die Torah das Zentrum und Herz des Judentums, sie sind gleichsam Eheleute, Braut und Bräutigam.

An diesem Tag werden alle Torahrollen aus dem Torahschrein herausgenommen. Sie werden siebenmal um die Bima herumgetragen, die Gemeinde tanzt freudig mit. An diesem Tag werden alle anwesenden und religiös mündigen Männer zum Torahlesen aufgerufen, deshalb wird der Abschnitt mehrere Male wiederholt. Eine besondere Ehre dürfen zwei Männer erfahren. Zum einen ist es der letzte, welcher die Lesung aus dem 5. Buch Mosche beendet. Er wird Chatan Torah – Bräutigam der Torah genannt. Es ist, als ob die Torah seine Angetraute sei, er der Bräutigam. Ist nun das Vorlesen des Abschnittes der Torah beendet, so ruft die gesamte Gemeinde „Chasak, Chasak wenitchasek“ aus. Danach wird der „Chatan Bereschit“ zur zweiten Torahrolle aufgerufen. Er ließt „Bereschit bara … „ bis „ ascher bara Elokim la’azot“.

Es ist eine bedeutungsgeladene Geste, mit der Torahlesung sofort wieder von neuem zu beginnen. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass sie für uns stets wichtig und aktuell ist, keine altmodische Anordnung, die man bereits kennt.

 

"und mit all der starken Macht und mit all dem Großen und Furchtbaren, das Mose vor den Augen von ganz Israel getan hat."

5. B.M. 34:12

 

 

"Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen ... "

5. B.M. 6:5

 

 

"Chasak, Chasak wenitchasek"

Sei stark, sei stark und wir werden uns gegenseitig stärken!

 

Gabriela Sarah Bayer und Arjeh Lieo Gur

© by Verein B´nei noach