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Gabriela
Sarah Bayer
und
Arjeh Lieo
Gur
Purim
Purim gehört zu den nachbiblischen Feiertagen des Judentums (auch
Chanukka). Diese Tage sind nicht durch eine Schabbat- ähnliche
Atmosphäre geheiligt. Jedoch wurden verschiedene religiöse Gebote
festgesetzt, um ihre historische Bedeutung zu kenn-zeichnen und
dadurch zu würdigen. Purim wird am 14. Adar gefeiert. Es erinnert an
die Rettung der jüdischen Gemeinden unter persischer Herrschaft von
der bösen Absicht Hamans, sie auszurotten. Über die Zeit der im Buche
Esther beschriebenen Ereignisse, die um 450 v.Z. stattfanden, herrscht
etwas Ungewissheit. Der Name Purim kommt von pur, was Los bedeutet,
denn das Los-Werfen war die Methode, durch welche Haman das Datum
wählte, an dem er seine Horden zu einem allgemeinen Massaker gegenüber
den Juden im ganzen Land loslassen wollte.
Die
bösen Pläne Hamans haben unglückliche Parallelen in den schlechten
Absichten an-derer Herrscher der Länder, in denen durch die
Jahrhunderte hindurch Juden lebten. Die unsichere Natur des jüdischen
Überlebens in zahllosen Ländern der Diaspora, in welchen das Schicksal
der Juden oft von Lust und Laune der jeweiligen Herrscher abhing,
findet in der Purimgeschichte ein typisches Beispiel. Die plötzliche
Wendung der Ereignisse, wo der Bedrücker in Ungnade fiel und es der
jüdischen Bevölkerung ermöglicht wurde, sich gegen ihre Angreifer zu
verteidigen, gab den verfolgten und unterdrückten jüdischen Gemeinden
durch die Jahrhunderte hindurch einen Funken der Hoffnung und der
Er-mutigung.
Bedeutungsvoll in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass die
damaligen Juden nur aufgrund ihrer einheitlichen, sich auf ein Ziel
hin konzentrierenden Ausrichtung zu diesen widerstandsleistenden
Kräftigkeiten emporwuchsen, nur dadurch auf die Gnade und
Barmherzigkeit G.ttes bauen konnten. Assimilationsgedanken - zu
welcher Zeit auch immer – werden deshalb ad absurdum geführt.
Wie
bereits angerissen, feiern alle Juden das Purimfest im jüdischen Monat
Adar. Dieses beginnt mit einem Tag des Aufrufes zum Widerstand – einem
Fasttag am 13. Adar – Ta’anit Esther. Es ist ein Tag des Gedenkens an
den Fasttag, an dem Mordechai, Esther und alle Israeliten einen
Fasttag ausriefen. An diesem selben Tag hatten die Feinde der
Israeliten die Unterwerfung und Zerstörung des Volkes geplant. Gerade
das Gegenteil trat ein, denn es waren die Juden, die sich
zusammenscharten in ihren Städten, um ihre Feinde zu beherrschen. Es
war Sitte, dass jedes Mal, wenn das Volk Israel gegen seine Feinde in
den Krieg ziehen musste, man einen Fasttag einrichtete. Der Sinn eines
solchen Fasttages war es zu betonen, dass es nicht die menschliche
Kraft ist, die einen Sieg bewirken kann, sondern nur, wenn das Volk
seine Augen zum Himmel hebt und um göttliche Gnade bittet, erhält es
die Kraft für einen Sieg. Kraft dieses Einheit bildenden Widerstandes
und die Ausrichtung auf die Gnade G.ttes, konnte das jüdische Volk der
Ausrottung durch Haman entgegenwirken. Zum Andenken an jenen Fasttag
wurde ein Fasttag für alle Generationen an diesem Tage festgesetzt.
Diese Bestimmung findet sich bereits in der Megilla – der Rolle
Esther. Dieser Fasttag wird Ta’anit Esther, das Fasten Esther genannt,
denn sie hatte bei Mordechai um Fasttage gebeten. Da Haman das Dekret
der Vernichtung der Juden am 13. Adar erließ, wurde dieser Tag als
Fasttag festgesetzt, nicht alle anderen folgenden Tage.

Der halbe Schekel
Am
13. Adar während des Minchagebetes ist es Sitte, 3 Silbermünzen vom
halben Werte der gültigen Landesmünze zu spenden. Dieses Geld ist für
die Armen bestimmt. Diese Spende soll an den halben Schekel erinnern,
den die Israeliten entrichten mussten, als der Tempel noch stand.
Diese Erinnerungshandlung wird vor dem Verlesen der Megilla
ausgeführt, da sich die ganze Gemeinde dazu in der Synagoge
versammelt. Warum man für diese Mitzwa gerade drei Hälften gibt, hat
seinen Ursprung in der Torah: Im Wochenabschnitt Ki Tissa
(2. Mose 30:11f)
kommt der Ausdruck Teruma – Spende – 3 Mal vor, dies in Zusammenhang
mit dem Machazit haSchekel. Die Heiligung eines Schekels vollzieht
sich dadurch, dass sowohl an den Nächsten wie auch an den Ewigen
hälftig gedacht wird.
Die Purimtage
Purim wird an zwei Tagen gefeiert, am 14. und 15. Adar. Jedoch in den
Städten, an denen am 14. gefeiert wird, wird am 15. nicht gefeiert und
umgekehrt. So hatten es unsere Weisen angeordnet, die das Purimfest
für alle Generationen festsetzten. Der Grund, Purim zu verschiedenen
Zeiten zu feiern besteht darin, dass die Juden von Schuschan an einem
anderen Tage gefeiert haben als die Juden in den übrigen Städten. In
allen anderen Provinzen Persiens hatten die Juden am 13. den Krieg
gegen ihre Feinde angesagt und am 14. wurde gefeiert. In Schuschan,
der Stadt, in welcher das Wunder der Besiegung geschah, wurde am 13.
und 14. gekämpft, der 15. wurde des-halb zum festlichen Freudentag.
Städte also, die seit den Tagen von Jehoschua Stadt-mauern hatten,
feiern das Purimfest einen Tag später, am 15. Adar. Dieser Tag wird
Schuschan-Purim genannt. In Jerusalem wird Purim am 15. Adar gefeiert.
Mitzwot für den
Purimtag
Die
Purim betreffenden religiösen Pflichten beruhen auf folgendem Zitat
aus dem Buche Esther: „und Mordechai verzeichnete diese Dinge und
sandte Briefe an alle Juden … ihnen vorschreibend, dass sie den 14.
Tag des Monats Adar … zu Tagen des Festmahls und des Frohsinns
bestimmen sollen und sich gegenseitig Geschenke zu schicken und Gaben
an die Armen. Und die Juden nahmen dies auf sich … und auf ihre
Nachkommen und auf alle, die sich ihnen zugesellen … dass sie diese
beiden Tage Jahr für Jahr zur festgesetzten Zeit halten würden, so wie
es niedergelegt worden ist.
(Esther 9: 20–23,
27).
Es gibt vier Mitzwot, die für den Purimtag vorgeschrieben sind, durch
das Sanhedrin und die Propheten eingeführt: Vorlesen der Megilla
(Schriftrolle), Festessen, Trinken und Freude, das Schicken von
Esswaren an Freunde, Geschenke für die Armen.
Hallel wird am Purim jedoch nicht gesagt, da die Megilla als Hallel
des Tages angesehen wird; zudem sagt man kein Hallel über ein Wunder,
das nicht im Lande Israel selbst geschehen ist. Selbst nach dem
Purimwunder waren die Juden noch im Exil in Persien und weiterhin
Diener des Königs Achaschwerosch. An Purim selbst ist fasten
untersagt, ebenso Trauerreden und öffentliche Trauer. Man darf an
Purim zwar arbeiten, doch sollte man dies möglichst vermeiden, vor
allem bei Arbeiten, die auf finanziellen Gewinn hin ausgerichtet sind.

Das Lesen der
Megilla
Man
ist verpflichtet, die Megilla zweimal zu lesen bzw. zu hören, am
Vorabend von Purim und am nächsten Morgen von Purim selbst. Sowohl
Männer als auch Frauen sind zu dieser Mitzwa verpflichtet. Es ist
vorzuziehen, diese Mitzwa des Megillalesens öffent-lich, also in der
Synagoge zu erfüllen, dies vor allem deshalb, um dem Wunder in der
Öffentlichkeit Ausdruck zu verleihen. Die Pflicht, die Megilla zu
lesen, lässt andere Mitzwot in den Hintergrund treten, sogar das
Torahlesen. Die einzige Ausnahme ist die Bestattung eines Toten, der
keine Angehörigen hat.
Wenn man die Megilla anhört, so ist dies, als ob man sie selbst
gelesen hätte, voraus-gesetzt, dass der Vorlesende sie bewusst,
deutlich hörbar jeden einzelnen Wortes, vor-trägt. Obwohl die Megilla
ebenso eine Rolle ist (wie die Torah), darf sie beim Lesen nicht
gerollt werden, weil die Megilla im Grunde ein Rundschreiben ist.
Es
ist Brauch, vor dem Lesen der vier Verse der Erlösung eine kleine
Pause zu machen, damit die Gemeinde diese Verse laut vorlesen kann.
Danach liest der Vorlesende aus seiner Megilla diese Verse nochmals,
denn nur so ist die Erfüllung der Mitzwa voll-ständig.
Dies sind die vier Verse der Erlösung:
-
"In der Hauptstadt Schuschan lebte ein Jude namens Mordechai. Er war
der Sohn Jairs. des Schimei, des Sohnes des Kisch, aus dem Stamm
Benjamin" (Esther 8:15).
-
"Als Mordechai den König verließ, trug er ein königliches Gewand aus
violettem Purpur und weißem Leinen, eine große goldene Krone und
einen Mantel aus kostbarem Leinen und rotem Purpur, und die Stadt
Schuschan war voll Jubel und Freude"
(Esther 8:15).
-
"Die Juden waren glücklich, sie jauchzten vor Freude und waren
wieder angesehen" (Esther 8:16).
-
Der Jude Mordechai war der zweite Mann nach König Achaschwerosch, er
war bei den Juden hoch angesehen und beliebt bei allen seinen
Stammesbrüdern. Er suchte das Wohl seines Volkes und war auf das
Wohlergehen all seiner Nachkommen bedacht"
(Esther 10:3).
Dinge, die mit der
Megilla zu tun haben

Beim Lesen der Megilla pflegt man zu klopfen und zu schlagen, jedes
Mal, wenn der Name von Haman erwähnt wird. Dieser Brauch bezieht sich
auf eine Stelle aus der Torah
(2.B.Mose 17:14):
(ki-macho emche
et-secher amalek) – "ich werde das Andenken von Amalek
auslöschen". Da Haman von Amelek abstammte (Amalek war Hamans
Großvater!) schlägt
(moche) man, um den Namen zu ver-tilgen
(moche).
Warum brachte Mordechai sich und sein Volk in Gefahr, in dem er so
Hamans Ärger erweckte? Unsere Weisen sagen: Auf seinem Herzen trug
Haman einen Götzen; damit wollte er das Volk Israel zum Götzendienst
verleiten, wenn sie sich vor ihm bückten.
Götzendienst ist im Judentum allerdings absolut untersagt.
Warum
nicht? Und warum wird dies in der Megilla dreimal erwähnt?
Weil alle Erschlagenen von Amalek abstammten, von denen man in keiner
Weise Nutzen haben soll. Die Juden sollten nichts besitzen, was sie an Amalek erinnern könnte.
(kijemu wekiblu hajehudim) "die Juden hielten es aufrecht und
nahmen es an" (Esther 9:27).
Wenn sie es aufrecht erhielten, nahmen sie es doch auch an, warum
steht dann noch
wekiblu
(annahmen)? Unsere Weisen sagen: Sie hielten jetzt aufrecht, was sie
schon einst angenommen hatten. Dies soll betonen, dass sie nun alles
von neuem und aus freiem Willen hielten. Damals, als Er symbolisch den
Berg über sie stülpte wie ein Fass, war es eher gezwungenermaßen
(Talmud Schabbat 88a).
So
sehen wir, dass das Purimwunder zu einem freiwillig - freudigen
zweiten Torah-empfang führte. So bewirkt jedes Auslöschen von Amalek
einen neuen bereitwilligen Torahempfang. Nach dem Krieg Jehoschuas in
Refidim gegen Amalek wurde die Torah gegeben, nach dem Kampf
Mordechais gegen Haman wurde sie ein zweites Mal empfangen. Letztere
Annahme der Torah ist deshalb so wesentlich, weil diese aus tiefer,
innere Freude und großer, einmütiger Gesinnung aller Juden in Persien
geschah, sie sich auf einer hohen geistigen Stufe und Ausrichtung zu
G.tt hin befanden.
Die Bedeutung der freudig fröhlichen
Purimmahlzeit
Obwohl die Purimmahlzeit hauptsächlich
ein Genuss für den Körper ist, soll sie vor allem dazu beitragen, die
seelische Verfassung des Menschen zu erhöhen. Im Sohar wird er-wähnt,
man könne an Purim mit körperlichem Genuss die gleiche seelische Höhe
er-reichen wie an Jom Kippur durch körperliche Enthaltsamkeit. Körper
und Geist sind für den jüdischen Menschen in gleicher Weise heilig und
erhaben. Das Körperliche soll im-mer im Dienste der Heiligung des
Göttlichen stehen. Solange jedoch Amalek besteht versucht er, die in
reiner Absicht ausgeführten Handlungen des Volkes Israel zu hindern.
Wenn nun das Volk Israel Amaleks Macht schwächt und ihn bezwingt, wird
alles Körper-liche wieder die angestrebte Reinheit erlangen und der
Name G.ttes wird geehrt und geheiligt. Mit besonderer Freude führt das
Volk Israel diese Mitzwa aus, denn somit wird Zeugnis dafür abgelegt,
dass die Schuld, die es durch die Beteiligung am Festmahl von
Achaschwerosch auf sich lud, gesühnt ist.
"Ad delo jada" – Bis
man nicht mehr unterscheiden kann
Es ist verwunderlich, dass unsere Weisen
angeordnet haben: Man soll an Purim so viel trinken, dass man nicht
mehr zwischen Fluch über Haman und Segen über Mordechai unterscheiden
kann. Es gibt nirgends eine ähnliche Anordnung. Warum verlangen unsere
Weisen, dass wir uns derart betrinken sollen und unsere klare
Aussagekraft verlieren? Israels Erlösung zurzeit von Mordechai und
Esther war keine einmalige, zeitgebundene Errettung. Denn immer wieder
wird es Personen geben, die mit den-selben bösen Eigenschaften wie
Amalek ausgerüstet sind und versuchen, jüdisches Leben zu zerstören.
Sie hat vielmehr einen Ewigkeitswert, auch für unsere heutige
Generation. Vollkommene und reine Rückkehr zu G.tt bewirkt G.ttes
Hilfe, dies ist ein unauslöschbares Zeichen des Purimgeschehens. In jener
Generation wäre Israel tatsächlich der vollkommenen Vernichtung
ausgesetzt gewesen, dies wegen zahlreicher Vergehen: Sie hatten sich
vor Nebuchadnezars Götzen gebückt; dann hatten sie sich bei
Achaschweroschs Fest zu sehr belustigt, wurden doch bei dieser
Veranstaltung heilige Geräte des Tempels entweiht. Sie hatten sich
erniedrigt, indem sie sich total anpassten und sich dabei vergaßen.
Als sie jedoch mit ganzem Herzen und voller Reue zu-rückkehrten,
wandte sich G.ttes Gnade ihnen zu; so war der Weg zur Errettung offen.
Da nun die Tore des göttlichen Erbarmens
sich damals öffneten, wurden sie nie wieder geschlossen. Da nun in
jenen Tagen Israels Rettung durch Barmherzigkeit und nicht durch
eigene Verdienste erwirkt worden war, so wollen wir auch heute in
unserer Freude beweisen, dass wir nicht auf unsere eigenen Verdienste
vertrauen, sondern auf G.ttes Barmherzigkeit. So essen und trinken wir
an diesem Tage, bis wir fast die Besinnung verlieren, bis wir nicht
mehr wissen, was mit uns geschieht. Wir setzen damit unser volles
Vertrauen auf G.tt allein, denn Er wird uns beschützen, von unseren
Feinden erretten, von jetzt an bis in alle Ewigkeit. Indem wir uns in
einen Zustand des Bewusstseinsverlustes begeben, nicht mehr imstande
sind, klar zwischen den wahren Werten zu unterscheiden, geben wir
damit der Hoffnung Ausdruck, niemals an der Möglichkeit göttlicher
Hilfe zu zweifeln, denn nur von G.tt allein kann uns Errettung kommen.
Auch im trunkenen Zustand haben wir nichts zu fürchten, denn Er ist
immer uns zur Seite.

Warum man sich an Purim verkleidet
Die Sitte, sich an Purim als Nichtjude
oder anders zu verkleiden, damit man nicht er-kannt werden kann, ist
ein Minhag (Brauch), der schon fast zum Gesetz geworden ist. Vor allem
Kinder haben dabei großes Vergnügen.
Man verkleidet sich in fremdartige
Gewänder, damit man den Unterschied zwischen Haman und Mordechai nicht
erkennen kann:
Gerechtigkeit und Gutes ereignen sich
nicht nur durch den Erfolg der Gerechten, son-dern ebenso durch den
Niedergang der Bösen.
Durch Verkleidung soll damit der
Ausdruck verliehen werden, dass wenn sich Israel auch äußerlich der
nichtjüdischen Umwelt angleicht (Assimilation), also verkleidet, es im
Grunde stets G.tt treu und innerlich rein ist. Äußeres (Schein) vermag
innere Werte und Ausrichtung (Sein) nicht zu tilgen.
Eine andere Erklärung für das Verkleiden
stützt sich auf den Kommentar des Verses in 5.B.Mose 31:18
(wa’anochi haster astir panej bajom hahu) "ich werde an
jenem Tage mein Angesicht verbergen".
Dazu erklären die Weisen: An
welcher Stelle spricht die Torah von Esther? Verschlüsselt steht sie
(esther) in
(astir) und
in
(haster) vom
Verb (histir) verbergen,
verstecken, und dies soll auch eine Andeutung zum Verbergen
(Verkleiden!) am Tage Esther sein.
Ein anderer Grund für die Sitte des
Verkleidens ist die Tatsache, dass der Ursprung des Hasses von Amalek
gegen Israel von seinem Großvater Esau herstammt. Jakob war ja in
Esaus Kleidern vor Izaak getreten, um den Segen zu erhalten. So
verkleiden wir uns auch heute wieder, um zu zeigen, dass diese
damalige Verkleidung nicht unrechtmäßig war, sondern dass Jakob und
seinen Nachkommen das gebührt, was Esau fälschlicher-weise als sein
Recht ansah.

Abschließend sollen noch einige Gedanken erwähnt werden, die für Purim
ebenfalls bedeutsam sind.
Es ist
wichtig, während des Tischgebetes „Al haNissim“ – für die Wunder –
einzuschalten, um der Purimmahlzeit als überlieferte Vorschrift
genügend Würde zu verleihen.
Sowohl die zu tätigenden Geschenke für die Armen als auch das
gegenseitige Geschen-ke- schicken für Bekannte und Freunde sollen die
Liebe und Einigkeit des jüdischen Volkes untereinander symbolisieren.
Erst und nur Einigkeit und Liebe vermögen das Standhalten dem Bösen
gegenüber = den Schutz gegen Amalek (der Großvater von Haman), das
Schlechte und Böse schlechthin, zu gewährleisten. Man muss wissen:
Amalek wird nur stark, wenn die Einheit Israel Torah und Mitzwot
aufgibt, nicht mehr zusammenhält, sich gegenseitig bekämpft. Die Torah
ist der einzige Ausgangs- und Endpunkt jüdischen Lebens, das ewige
Licht, das Stärke, Liebe, Einigkeit in sich vereint und wappnet –
gegenüber allen Verfänglichkeiten dieser Welt.
Unsere Weisen fanden heraus, dass das Wort Purim
etliche Andeutungen enthält, im Wort selbst alle jüdischen Festtage zu
erkennen sind.
Das Wort PURIM,
im
Hebräischen geschrieben, ergibt:
(P) von
(Pessach)
(We) von
(weSukkot)
(R) von
(Rosch haSchana)
(Jud) von
(jom Kippur)
(M) von
(Matan Torah, Schawuot).
So liegen auch im Wesen des Purimfestes Hinweise auf
andere Feiertage:
-
Purim gleicht Pessach – vom Sklaventum zur Freiheit;
-
Purim gleicht Schawuot – jene Generation empfing die Torah von
neuem;
-
Purim gleicht Rosch haSchana – auch damals wurden die Bücher des
Lebens und des Todes geöffnet;
-
Purim gleicht Jom Kippur – die Sünden jener Generation wurden
verziehen;
-
Purim gleicht Sukkot – ebenso wie die Kinder Israel in der Wüste
Schutz unter G.ttes Fittichen suchten, so suchten auch damals
Nichtjuden den Schutz unter göttlicher Schechina
(Esther 8:17).
Jom Kippurim –
Ki-purim (wie Purim)
Die Bedeutung des
Purimtages ist so groß, dass man den heiligen Tag – Jom Kippur – nach
ihm genannt hat, d.h. aus dem Namen Purim erklärt wird, Ki- purim
wie
Purim. Somit wäre Purim noch höher eingestuft als Jom Kippur selbst.
Am Jom Kippur streben
die Menschen danach, sich geistig zu erheben, indem sie alles
Körperliche verdrängen. Auf diese Weise erhofft man Vergebung für alle
Vergehen. Purim jedoch begeht man, ganz im Gegensatz dazu, mit
freudigem Festmahl und Genuss. Hier wird Sinnenfreude als Mitzwa
verstanden und in den Dienst des Heiligen gestellt. Welche der beiden
Arten des göttlichen Dienstes wird nun höher angerechnet? Man kann
sagen, dass derjenige, der sich durch leibliche Genüsse zu einer
hohen Stufe der Keduscha erhebt, mehr Verdienste hat. Es ist
allerdings viel schwerer durch körperliche Genussaufnahme die Mitzwa
zur Vergeistigung zu bewirken als durch körperliche Enthaltsamkeit.
Jom Kippur hat den
Sündenbock, Purim das Festgelage Hamans. Am Tag vor Jom Kippur ist es
eine Mitzwa zu essen und zu trinken, am Tag selbst strengstens zu
fasten. Nun ist es an Purim genau umgekehrt, die Mitzwa des Essens und
Trinkens am Tage selbst, jedoch am Tag zuvor Ta’anit Esther, das
Fasten.
Die
Purimtage und die Megilla von Purim werden nie aufgehoben werden
Unsere Weisen sagten,
dass alle Festtage einst aufgehoben werden, jedoch die Purim-tage
niemals; ebenso werden alle prophetischen Schriften einst aufgehoben
werden, wenn der Maschiach kommt, nur die Megilla-Esther nicht, wie
die fünf Bücher Moses nicht und die mündliche Lehre.
Alle Erinnerung an
Israels Not wird gelöscht werden, die in den Purimtagen nie, denn es
steht geschrieben: „und diese Purimtage werden unter den Juden nicht
vergessen werden … .“
(Esther 9:28)
Inwiefern ist Purim
größer als alle anderen Festtage? Alle Festtage werden durch Israel
geheiligt, und wenn in der Zukunft die ganze Welt erlöst werden wird,
alle Tage wie Schabbat sein werden, welche Erleuchtung könnte dann
durch das Licht der Festtage dem Licht des Schabbats bringen? Das
Licht von Purim kommt von höherer Offen-barung, nicht von den Taten
Israels auf Erden.
Inwiefern ist Megilla
Esther größer als alle anderen prophetischen Schriften? Alle Worte
der Propheten sollten die Lehren der Torah bekräftigen. Wenn jedoch
der Maschiach kommen wird, wird er die wahre Religion bestätigen, die
Worte der Propheten werden erfüllt werden, Israel wird sich in
vollkommener Reinheit der Erfüllung der Torah wid-men können, ohne
sündiges Leben.
Megilla Esther ist
nicht Ende des Kapitels, sondern der Beginn des völligen Auslöschens
von Amalek, des Bösen schlechthin, G.ttes Liebe wird vor der ganzen
Welt offenbar werden.
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Esther
9:28
"Und es bleiben diese
Tage im Andenken, und werden gefeiert in jeglichem Zeitalter,
jeglichem Geschlechte, jeglicher Landschaft und jeglicher Stadt;
und diese Tage der Purim vergehen nicht unter den Jehudim, und ihr
Gedächtnis endet nicht bei ihrem Samen.
29. Und
es schrieb Esther, die Königin, die Tochter Abichajil’s, und
Mordechai, der Jehudi, um mit allem Nachdruck zu bestätigen diesen
Brief des Purims, zum zweiten Mal. 30. Und
er sandte Briefe an alle Jehudim, in die hundertsieben-undzwanzig
Landschaften des Königreichs des Achaschwerosch,

Worte des Friedens
und der Zuversicht." |

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