Hat das Pessachfest auch heute und für uns eine besondere Bedeutung?

von Arjeh Lieo Gur

 

Hauptthema in der Pessachgeschichte ist der Auszug aus Mizraim, d.h. Ägypten.

Das Wort Mizraim ist zusammengestellt aus Mi (aus) und Zra (Sorge). Auch kann man es lesen als Mezaraim, dann heißt es Bedrängnis. Eine dritte Bedeu­tung für Mezraim ist Begrenzung.

In der Haggada steht „mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arme“ führte ER uns aus dem Lande der Bedrängnis, konkret aus Sorgen und Elend. Nicht aus eigener Bewegung, nicht aus eigener Kraft haben wir uns aus Mizraim (den Sor­gen) befreit, sondern wir wurden befreit, weil der Ewige die Lage so für uns zu­recht machte – denk an die Zehn Plagen – uns dadurch die Möglichkeit gab, aus dem Lande des Mezraim, der Bedrängnis auszuziehen.

Insoweit ist es für uns und besonders für diejenigen, ob nun aus Schweden, Polen oder Niederlande, die hierher ge­zogen sind, höchst aktuell. Nicht wir haben die Situation so erschaffen, dass z.B. viele unserer Jüdischen Gemeindemitglieder aus der ehemaligen Sowjetunion ausziehen konnten.

Die Situation wurde uns von dem Ewigen gegeben an uns lag es zu handeln.

Damals und heute, wurde es – durch den Ewigen – möglich gemacht aus der Be­drängnis (Mezraim) auszuziehen. Alles ist bereit, und die Einladung an jeden, „der hungrig ist“, wurde an jeden Juden ohne Unterschied ver­schickt. Jetzt liegt es an uns um die Einladung anzunehmen, zu befolgen.

Nach dieser schicksalhaften Handlung durch den Ewigen, stellt sich die wichtige Frage für uns Menschen, ob wir die richtige Einstellung haben an der Pessach­mahlzeit teilzunehmen. Denn nur derjenige, der tatsächlich den Auszug aus der Not und der Bedrängnis Mezraim als persönliche Erfahrung empfindet und fühlt, dass „dies das Brot der Armut ist“, kann diese Einla­dung entgegennehmen und aussprechen. Dabei müssen wir uns von unserer eigenen Begrenzung Mezarim befreien. Dabei sollten wir anfangen, uns für diese Geschichte vom Auszug aus der Sklaverei zu öffnen und dadurch un­sere eigene Befreiung erleben. Erst dann, wenn ein Jude seine persönlichen Schranken überwindet und einsieht, dass der Mensch überlegt, der Ewige aber fügt, kann er verstehen, dass er ein wichtiger Teil von G.ttes Plan ist, auch er die Fähigkeit besitzt, alle Menschen mit ihrer persönlichen Bedeu­tung gleichermaßen zu akzeptieren. Wir werden dann nicht nur Pessach auf respektvolle Weise miteinander feiern können, sondern auch im täglichen Leben und besonders an Schabbat ein Miteinander trotz Unterschiede erle­ben.

 

Der Vorstand der Jüdischen Kultusgemeinde Erlangen wünscht Euch allen ein koscheres und fröhliches Pessachfest.

 

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