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Ein etwas anderes
Neujahrsfest
Rosch
haSchana, der erste Tischri dieses jüdischen Monats, wird auch
Jom haKesse – der Tag der
Verhüllung – genannt. Alles wird an diesem Tag mit Verhüllung in
Zusammenhang gebracht: Der Mond ist noch verhüllt (Neumond),
symbolisch wird auch das Volk Israel mit dem Mond verglichen. Es
strahlt an seinen Schabbat – und Festtagen in vollem Glanz, an Rosch
haSchana zieht es sich in Ehrfurcht vor dem großen Tag des Gerichts
G.ttes zurück. Denn das jüdische Neujahrsfest, wörtlich übersetzt
„Kopf des Jahres“, hat einen durchaus ernsten Charakter, hat mit
Überschwang, Übermut nichts gemeinsam. Die Menschen stehen gleichsam
vor dem Richterthron G.ttes. Dieser Tatbestand wird später näher
erläutert. Es soll hier lediglich auf die Ähnlichkeit der Worte
„Kesse“
= Verhüllung und „Kisse“
Thron verwiesen werden.
In
der Torah selbst ist das Wesen des Tags des Gerichtes nicht
ausdrücklich erwähnt. Er ist eher verhüllt angedeutet, damit die
Teschuwa – die Rückkehr zu G.tt – nicht nur auf diesen Tag beschränkt
bleibe, sondern dass der Mensch auch während des ganzen Jahres die
Möglichkeit zur Teschuwa ergreife.
Rosch haSchana – zwei Tage
Rosch
haSchana wird weltweit (in Israel und in der gesamten Diaspora) zwei
Tage lang gefeiert, obwohl in der Torah nur von einem Tag die Rede
ist:
„Am
siebten Monate, am ersten des Monats sei euch eine Feier …“ (3.B.M.
23,24).
Die
Bestimmung dafür liegt darin begründet, dass der Monat durch
Zeugenaussage (sichtbares Erscheinen des Neumondes) vom Obersten
Gerichtshof (Sanhedrin) ausgerufen und geheiligt wurde. Um eventuelle
Zweifel vonseiten der Zeugen zu tilgen, wurde die Anordnung erlassen,
an zwei Tagen dieses Fest zu begehen, als gleichsam langen Tag, d.h.
zweimal 24 Stunden als ein
geheiligter Tag.
Der Tag des Gerichts
Wie
bereits erwähnt ist Rosch haSchana der Tag des Gerichtes für alle
Sterblichen dieser Welt. Schuld und Verdienste des Menschen werden auf
die Waage gestellt. An diesem Tag wird der Mensch gerichtet, alle
seine Taten geprüft, ebenso alles, was ihm im kommenden Jahr
geschieht, wird an diesem Tag bestimmt:
„ …
beständig sind die Augen des Ewigen deines G.ttes darauf, vom Anfang
des Jahres bis zum Ende des Jahres.“ (5.B.M. 11,12).
Im
Talmud (Rosch haSchana 16b) wird berichtet, dass an Rosch haSchana
drei Bücher geöffnet werden: eines für Bösewichte, eines für die
Gerechten, eines für die Mittelmäßigen. Es wird augenfällig, dass die
zuerst Erwähnten nicht ins Buch des Lebens eingeschrieben, sondern zum
Tode verurteilt werden; die Guten, Gerechten hingegen werden sofort
ins Buch des Lebens eingeschrieben und besiegelt; die Mittleren
hingegen erhalten vom Ewigen die barmherzige Frist, sich zu besinnen,
ehrliche Reue und Buße durch Rückkehr zu G.tt zu tätigen, bis zum 10.
Tischri – Jom Kippur (Versöhnungstag), dann werden auch sie ins Buch
des Lebens eingeschrieben oder bei Versagen eben nicht. Hierbei wird
deutlich, dass G.ttes Gnade und Barmherzlichkeit dem Menschen
gegenüber sehr groß ist. Selbst ein Mensch, der das ganze Jahr
hindurch gesündigt hat, braucht nicht zu verzweifeln, denn er hat die
Möglichkeit zur Rückkehr (Teschuwa), er kann jeder Zeit den ge-rechten
Weg einschlagen, wenn er im innersten Herzen dazu bereit ist. Aus
diesem Grunde ist es auch Sitte, zwischen Rosch haSchana und Jom
Kippur sich um mehr Wohltätigkeiten zu bemühen und diese auch
auszuüben.
Trotz
des Ernstes dieses Tages, es wird auch kein Hallel (Loblied) gesagt,
wie sonst an Feiertagen, ist dieser ein feierlicher, würdevoller
Festtag, mit Festessen und feierlicher Kleidung.
Das Schofarblasen

Es
wurde uns von der Torah geboten, an Rosch haSchana das Schofar zu
blasen und zu hören, es ist eine Mitzwa für alle:
„Und
im siebten Monat am ersten des Monats, sollt ihr heilige Berufung
haben; keine Arbeitsverrichtung sollt ihr tun; ein Tag des
Posaunenschalls sei es euch.“ (4.B.M. 29,1).
In
der jüdischen Literatur werden mehrere Gründe für das Schofarblasen
genannt, einige wenige sollen kurz erwähnt werden. Es soll einen
Wachrüttelungsprozess bewirken, damit wir uns an G.tt und Seinen uns
gebotenen, rechten Weg erinnern, umzukehren, Buße zu tun, einen
rechten Neuanfang zu wagen, in die tiefsten Abgründe unserer Seele
hinein zu dringen, um Schlechtes und Gutes in unseren Gedanken und
Handlungen voneinander zu trennen. G.tt allein ist die richtige
Ausrichtung in unserem Leben, jeder Ton warnt und mahnt, soll uns mit
Ehrfurcht ergreifen, zu Ihm zurück zu kehren, auch die Zerstreuten, um
Fehltritte, Grenzüberschreitungen durch diese Signaltonwirkung zu
vermeiden. Die Offenbarung G.ttes am Sinai wird in Erinnerung
gebracht, ebenso die Bindung Izchaks (dies geschah an Rosch haSchana):
Abraham sollte seinen Sohn für G.tt hingeben, opfern, er war dazu
bereit, um Seinen Namen dadurch zu heiligen. Der Ewige bewahrte ihn
davor, dafür opferte er einen Widder, das Schofar ist ein Widderhorn.
So gesehen sollen die Schofartöne das Erbarmen bei G.tt erwecken für
alle Nachkommen Izchaks. Der Ewige soll auch mit uns Erbarmen haben,
unsere Fehltritte, die wir bereuen, aus unserem Leben auslöschen.
Unsere Weisen sagen, dass durch den Schofarton auch Satan – der
Hinderer – verhindert werde zu kommen, um uns von unserem Vorhaben,
tiefe Reue zu zeigen und umkehren zu wollen, abzuhalten. Allerdings
darf, fällt Rosch haSchana auf Schabbat, kein Schofar geblasen werden;
es wird dann auf den zweiten Tag Rosch haSchana verlegt, weil dieser
wie ein verlängerter Tag gerechnet wird.
Trage uns ein in das Buch
des Lebens
Die
Gebete an Rosch haSchana mit der Bitte um Erbarmen bei Vergehen, der
Einsicht, Schlechtes getan zu haben und wieder den g.ttgewollten Weg
einschlagen zu wollen, sind nicht nur persönliche Bitten, auf eigene
Bedürfnisse beschränkt. Stets ist dabei das Anliegen der Gemeinschaft
mit einbezogen. Man wendet sich an den Richter der Welt, um Freispruch
für die ganze Menschheit zu erhalten. Man bittet um Weltfrieden und um
Offenbarung des g.ttlichen Königreiches, für all Seine Geschöpfe.
Jeder einzelne auf der Welt möge dies an-er-kennen. Jeder einzelne
Mensch steht für den anderen, ist keine alleinige, abgehobene Größe;
so sind auch seine Taten zu bemessen, das Schicksal der ganzen Welt
ist darin eingebunden.
Taschlich
Nach
dem Minchagebet (nachmittags) wird Taschlich verrichtet. Man geht an
ein Gewässer und rezitiert nach Micha 7,18-19:
„Wer ist ein Gott wie du, der Schuld
vergibt und Vergehen verzeiht dem Überrest seines Erbteils! Nicht für
immer behält er seinen Zorn, denn er hat Gefallen an Gnade. Er wird
sich wieder über uns erbarmen, wird unsere Schuld niedertreten. Und du
wirst alle ihre Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.“
Man appelliert an G.ttes Erbarmen,
Vergebung der Sünden, Abkehr Seines Zornes bei Missetaten,
Aufrechterhaltung Seiner Gnade und Liebe. Dabei schüttelt man dreimal
Taschen und Rocksaum aus, um damit symbolisch auszudrücken, dass man
bereit ist, sich seiner Sünden zu entledigen, diese Sitte basiert auf
Nehemia 5,13:
„Auch schüttelte ich meinen Gewandbausch
aus und sprach: Ebenso soll Gott jeden Mann aus seinem Haus und aus
seinem Besitz hinausschütteln, der dieses Wort nicht hält! Er sei
ebenso ausgeschüttelt und leer! Und die ganze Versammlung sprach:
Amen! Und sie lobten den HERRN. Und das Volk handelte nach diesem
Wort.“
Gabriela Sarah Bayer
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